23.10.2017 02:54

2008 Migration

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Infoveranstaltung des Ortsverbandes zum Thema Migration 
Südkurier, Ausgabe Markdorf, 28.09.08

Menschen leiden unter Schwächen im System 
Erfolgreich eingelebt haben sich Karla Rodriguez aus Meersburg, Gianni Dato aus Bermatingen und Ludmilla Winitschenko aus Ahausen.
Das Bild von faulen Migranten und Asylbewerbern, die nur die Hand aufhalten und nichts arbeiten wollen, verblasst zusehends, wenn man die Hintergründe kennt. Roland Leppert, Leiter des Kreissozialamts, referierte auf Einladung des CDU-Ortsverbands Bermatingen zum Thema Migration und nahm speziell zur Asylpolitik Stellung.
Sieben Monate Deutsch büffeln, täglich von 9 bis 17 Uhr. "Wissen Sie am Nachmittag noch, was Sie morgens gelernt haben", fragte Leppert. "Ich nicht", meinte er und verwies am Beispiel von Russlanddeutschen auf weitere Schwächen des Eingliederungssystems. Im Übergangswohnheim sprächen die Menschen wieder Russisch miteinander.
Das Landratsamt unterstütze die Migration auch mit Geldleistungen. Bei vielen Aussiedlern sei die Integration problemlos verlaufen. Doch viele kämen heute ohne Ausbildung, hätten Sprachschwierigkeiten oder verstünden gar kein Deutsch. Leppert kritisierte die 16-seitigen Anträge für das Arbeitslosengeld II, mit denen selbst ein Fachmann kaum klar komme: "Wie soll das ein Ausländer verstehen können, der vielleicht noch Analphabet ist?"
Die Integration von Asylbewerbern sei unerwünscht. Sie dürften weder Deutschunterricht bekommen noch arbeiten. Die Idee, einen Fußballtrainer zu engagieren, um den jungen Männern eine Tagesstruktur zu geben, durfte nicht realisiert werden. 40 Euro Taschengeld bekommen die Asylbewerber monatlich. Weitere 185 Euro gibt es in Form von Sachleistungen, für Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel - über 100 Euro weniger als ein Hartz-IV-Empfänger.
Gab es im Bodenseekreis ehemals 138 Unterkünfte mit 580 Asylbewerbern, existieren nur noch zwei, in Markdorf und Kressbronn. Dort leben 80 Menschen. Acht Quadratmeter pro Person stehe ihnen zu - Küche, Bad und Flur eingerechnet; 4,5 Quadratmeter seien es tatsächlich. Und da komme es vor, dass sich eine Familie mit zwei Töchtern im Teenageralter ein halbes Jahr ein Achtbett-Zimmer mit einer fremden Familie mit einem jungen Mann teilen müsse. "Glauben Sie, das macht irgend jemandem Spaß? Und glauben Sie, dass jemand gern seine Heimat verlässt? Oft haben die Bewerber ein schweres Schicksal, flüchteten vor dem Krieg."
Die gemeinnützige Arbeit - maximal 70 Stunden im Monat - wird mit einem Euro pro Stunde vergütet. Werde der Asylantrag abgelehnt, komme es zur Duldung. Nach wie vor sollen die Asylbewerber jedoch nicht in die Gesellschaft hier integriert werden. Viele seien ohne abgeschlossene Schulausbildung. "Man tut sich in Gruppen zusammen, zieht herum, unterhält sich in der Landessprache, hat null Bock", warb Leppert vor diesem Hintergrund um Verständnis für die Frustration dieser Menschen. "Wir versuchen zwar zu helfen, das geht aber nur in dem Rahmen, den der Gesetzgeber sehr eng gesteckt hat." Nach sieben Jahren Aufenthalt gestehe man dem Bewerber Bleiberecht zu und dann dürfe damit begonnen werden, ihn in die Gesellschaft zu integrieren.
Christiane Keutner







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