23.10.2017 02:54

2008 Migration Das Glück in Deutschland gefunden

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Veranstaltung des CDU -Ortsverbandes zum Thema gelungene Migration
Suedkurier, Ausgabe Markdorf, 28.09.08 

Das Glück in Deutschland gefunden
Die drei Migranten haben es geschafft und sind in Deutschland glücklich (v.l.): Karla Rodriguez, Gianni Dato und Ludmilla Winitschenko.

Foto: Keutner

Der Deutsche ist streng, ruhig und immer pünktlich: So stellen sich die Slowaken Deutsche vor. Ein solches Bild hatte auch die Mexikanerin Karla Rodriguez vor Augen, als sie - in der Slowakei arbeitend - dort ihren späteren deutschen Mann kennenlernte. "Tom und seine Familie sind aber extrem locker, sie feiern gerne und sind lustig", erzählte die jetzige Meersburgerin den Mitgliedern der CDU Bermatingen in der "Weinstube Stecher". Sie war eine von drei eingeladenen Migranten, die davon berichteten, wie sie selbst in Deutschland Fuß gefasst haben.
Sprache lernen und Freunde finden: Das sind die wichtigsten Tipps der drei für Mitbürger ausländischer Herkunft. Karla Rodriguez hatte sich ein ganzes Jahr mit Deutsch beschäftigt und beherrscht es mittlerweile so gut, dass sie seit Februar als Spanischlehrerin arbeiten kann. "Was vermissen Sie oder kommt Ihnen befremdlich vor?", interessierte sich Peter Jany. "So ruhig zu sein am Sonntag, an diesem Tag nicht so frei sein, alles tun zu können. Aber sonst nichts", strahlt sie.
Mit zehn Jahren kam Ludmilla Winitschenko aus Kaliningrad, ehemals Königsberg, nach Deutschland, seit zwei Jahren lebt die 22-Jährige in Ahausen. Die Mutter ist Russin und obwohl ihr Vater Deutscher ist, kam er mit der deutschen Mentalität nicht mehr klar, er kehrte zurück, als Ludmilla 16 war. Sie ging zielstrebig ihren Weg. Nach dem halben Jahr Unterricht in der Migrationsklasse besuchte sie die "normale" Schule, machte Abitur. Neben ihrer derzeitigen Ausbildung zur Speditionskauffrau in Konstanz absolviert sie ein Fernstudium für Politik und Organisation. Abends unterrichtet sie Kinder in Hip-Hop und Streetdance in einer Tanzschule in Friedrichshafen.
Die Hintergründe der Integrationsprobleme ihrer Landsleute erfragte CDU-Kreisvorsitzender Markus Müller. "Ich kann das nicht verstehen, wenn jemand sagt, er kann sich nicht integrieren. Jeder hat dieselben Chancen und es kommt auf seinen Willen an", so die gebürtige Russin. Es hinge aber auch vom Alter ab, machte sie Abstriche. Eigene Kinder wolle sie soweit wie möglich mit beiden Kulturen aufwachsen lassen, zumal ihr Freund auch Russlanddeutscher sei.
Im Alter von "pubertierenden 15 Jahren" kam der Bermatinger Sänger und Musiker Gianni Dato mit seinen Eltern nach Deutschland. Das erste Jahr war für ihn nicht schön, er konnte sich nicht verständigen, hatte keinen Kontakt zur Jugend und in seiner Heimat Sizilien war im Gegensatz zur Deutschland "die Hölle los - auch am Sonntag." Der 100-prozentige Autodidakt "was Musik angeht und Sprache", bekam schließlich auf musikalischem Weg, in einer Band, Anschluss zu anderen. Nach drei Jahren ging seine Familie nach Italien zurück und er musste gegen seinen Willen mit. Sie konnten sich nicht akklimatisieren - er nach Anlaufschwierigkeiten schon. Das war auch einer der Gründe, weshalb Gianni Dato 1980 wieder nach Deutschland ging, "und in der Hoffnung, ein großer Star zu werden", erzählt er verschmitzt. Mit Ehefrau Lucie hat er drei Kinder und hat es nie bereut, hergekommen zu sein. Möglichkeiten nutzend, wurde er nach 28 Jahren Berufsmusiker: "Ich glaube nicht, dass ich das in Italien geschafft hätte." Die einst geschmähte Ruhe - besonders sonntags - schätzt er inzwischen unendlich. "Ich bin froh, wenn ich auf der Terrasse sitzen oder in die Natur kann." Er rät Einwanderern dazu, sich anzupassen, sich für die Kultur zu interessieren und ist sich mit Karla Rodriguez einig, unbedingt Deutsch zu lernen. Ludmilla Winitschenko rät, sich Freunde zu suchen, "dann kommt die Sprache von ganz alleine."
Christiane Keutner







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