23.10.2017 02:53

2011 Bahninfrastruktur schafft Zukunft

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Investitionen in Bahninfrastruktur für S21 schafft auch Zukunft in der Region Schweizer Bahnexperte referiert auf Einladung des CDU Ortsverbandes Bermatingen-Ahausen 

Die schnelle Bahnverbindungen durch S21 bringt nicht nur zwischen Ulm und Stuttgart mehr Reisende vom Auto auf die Bahn, sondern auch auf der Südbahn und an den Bodensee, so das klar erkennbare Ergebnis eines Vortrags- und Diskussionsveranstaltung der CDU mit Mitgliedern des Bündnisses „Bodenseeregion für S21“ am vergangenen Freitag in Bermatingen. Die international anerkannten Verkehrsplaner PTV aus Karlsruhe haben bereits 2009 aufgezeigt, dass die 40 Minuten schnellere Verbindung zwischen Friedrichshafen, Oberschwaben und Stuttgart über 20% mehr Fahrgäste auf die Südbahn bringt: Die steigenden Fahrgastzahlen erhöhten den Nutzen von Investitionen wie die  Elektrifizierung der Südbahn deutlich. Daher braucht gerade die Bodenseeregion Stuttgart 21, so Bahnexperten Jean-Christophe Thieke, der mehrere Jahre in der Westschweiz Bahnprojekte für den Fern- und Nahverkehr leitete und in Uhldingen-Mühlhofen zu Hause ist. 

Die Schweizer zeigten, wie es geht: Gemessen an den gefahrenen Bahnkilometern pro Einwohner sind die Schweizer mit jährlich 2.000 Kilometern Europameister im Bahnfahren, belegte Thieke in seiner Präsentation. Dabei spiele die geographische und raumplanerische Situation der Schweiz maßgeblich eine Rolle für den dortigen Erfolg. Schnelle umsteigefreie Verbindungen besonders auf den zentralen Verkehrsachsen seien aber auch dort ein Impuls gewesen, um anschließend auch im Nahverkehr der Regionen Bahnprojekte anzustoßen und zu finanzieren. Allerdings zeige das Beispiel Schweiz auch, dass ein gutes Bahnangebot nicht zum Nulltarif zu haben sei: Das mit 8 Mio. Einwohnern um ein Viertel kleinere Land als Baden-Württemberg sieht zusätzlich zu den Infrastrukturausbauten der letzten 15 Jahre für die nächsten 20 Jahre Investitionen in Höhe von über 30 Milliarden Franken, also etwa 25 Milliarden Euro für neue Bahninfrastrukturen vor.  Die Bahnfahrten von der Bodenseeregion nach Stuttgart und Richtung Norden dauern lang – für viele viel zu lang, um die Bahn dem Auto vorzuziehen.

Das  Bahnprojekt S21 mit dem neuen Verkehrsknotenpunkt in Stuttgart und der Neubaustrecke nach Ulm bietet hier Möglichkeiten, dies zu ändern, das wurde bei den Ausführungen von Jean-Christophe Thieke deutlich, der auch engagiertes Mitglied des „Aktionsbündnis Bodenseeregion für Stuttgart 21“ ist. Er sieht besonders im Messe- und Tagesausflugsverkehr Chancen, durch S21 die Straßen in der Bodenseeregion von Autoverkehr zu entlasten, wenn die Bahnfahrt aus der Region Stuttgart an den Bodensee weniger als 1 Stunde und 40 Minuten und so weniger lang und preisgünstiger als die Autofahrt wird.Jean-Christophe Thieke erläuterte im Detail, wie durch steigende Fahrgastzahlen das Nutzen/Kostenverhältnis der Südbahnelektrifizierung steigt. „Die Bodenseeregion profitiert von diesem Projekt durch bessere Anbindung Richtung Norden. Das Bahnprojekt wird Verkehre von der Straße und aus der Luft auf die Schiene verlagern und den volkswirtschaftlichen Nutzen einer Elektrifizierung von Süd- und Bodenseegürtelbahn deutlich erhöhen.“ Ein „Nein“ zum S21-Ausstieg beim Volksentscheid wäre damit auch wissenschaftlich erwiesen ein „Ja“ für die regionale Stärkung der Bahn am Bodensee. 

Jochen Jehle (SPD), ebenfalls Mitglied des Aktionsbündnisses „Bodenseeregion für Stuttgart 21“ vermisst bei vielen Gegnern des Bahnhofs die Achtung vor repräsentativ gefassten Beschlüssen. Nach 15 Jahren Planung, Diskussion und Abwägung von 60 Alternativen in gewählten Gremien des Bundes des Landtags von Baden-Württemberg, des Stadtrats und der Region von Stuttgart, hätten sich die vielfach auch ehrenamtlich politisch Verantwortlichen für den unterirdischen Verkehrsknotenpunkt mit der schnellen Schienentrasse entschieden. Alle Mandatsträger wussten, worum es gegangen ist und hätten ihre Beschlüsse mit guten Gründen getroffen. Die Schlichtung und der Stresstest hätten diese guten Gründe für den Bahnhof zudem erneut bestätigt. Jetzt müsse auch gebaut werden, so Jochen Jehle. Dafür müssten möglichst viele Bürger jetzt sorgen. 

Für Unternehmer Karl Volz bedeutet das Bauprojekt eine große Chance für die jüngere Generation, es schafft Arbeitsplätze und eine moderne Infrastruktur für die Menschen und die Wirtschaft.

CDU-Ortsvorsitzende Carola Uhl wies darauf hin, dass Baden-Württemberg bei S21 deutlich von den Geldern aus der EU, dem Bund und den Investitionen der Deutschen Bahn AG profitiere. Bei einer Kündigung wäre nicht nur Schadensersatz in Höhe von 1,5 Mrd. Euro zu leisten, sondern auch eine Sanierung des bestehenden Bahnhofs für 1,3 Mrd. Euro erforderlich, ohne jegliche Verbesserung der verkehrlichen Situation. 

Dass die Gegner von S21 tricksen, bewies der Thieke anhand des Gutachterdokumentes, mit dem Verkehrsminister Hermann versucht hatte, Ausstiegskosten von nur 450 Mio. Euro glaubhaft zu machen: Der Gutachter hat schriftlich festgehalten, dass nur die vom Verkehrsministerium zur Verfügung gestellten Informationen bewertet worden seien und das Fehlen von Informationen durchaus bedeuten könnte, dass die Ausstiegskosten deutlich höher, womöglich also doch 1,5 Mrd. Euro betragen könnten.Thieke verwies zudem darauf, dass der zur Entscheidung stehende Landesanteil von 850 Mio. Euro über mindestens 10 Jahre verteilt fällig wäre. Aus dem jährlich 1,3 Mrd. Euro betragenden Nahverkehrshaushalt des Landes würden so pro Jahr maximal 85 Millionen Euro fällig. Allein aus den jährlichen Investitionsfördermitteln blieben noch 85% für andere Projekte wie am Hochrhein, am Bodensee oder auf der Südbahn übrig! 

Die Ortsvorsitzende und die Zuhörer zeigten sich dankbar für die ausführlichen und mit Dokumenten unterlegten Informationen. Sie wünschten sich mehr objektive Informationen zum Thema, so dass sich Bürgerinnen und Bürger selber eine Meinung machen könnten.

 







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