23.10.2017 02:55

2010 Gewerbeansiedlung

Neue Gewerbeansiedlung im Spannungsfeld zwischen Landschaftsschutz und wirtschaftlicher Notwendigkeit

Neue Gewerbeansiedlung im Spannungsfeld zwischen Landschaftsschutz und wirtschaftlicher Notwendigkeit war Thema eines öffentlichen Informationsabends, zu dem die CDU Ortsverbände Bermatingen, Markdorf, Salem, Meersburg, Immenstaad und Deggenhausertal CDU-Gemeinderäte Vorsitzende und Beiträte eingeladen hatten.
Verbandsdirektor Wilfried Franke vom Regionalverband Bodensee-Oberschwaben berichtete dabei über das Gewerbeflächen-Entwicklungskonzept der Region Bodensee-Oberschwaben.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Gesprächsreihe der CDU-Gemeinderäte und Ortsvorstände zu aktuellen gemeindeübergreifenden Themen statt.

 

Zwar gehört der Bodenseekreis zu den Regionen mit sehr guten Zukunftschancen: Die Arbeitslosenquote ist sehr niedrig, Klein- und Mittelständische Betriebe erfreuen sich einer guten Auftragslage, die Exportquote der Betriebe im Bodenseekreis ist größer als 50 %, was für einen hohen Standard spreche. Dieses zu halten, wird schwierig sein, erklärte Verbandsdirektor Franke. Beispiele wie Alno in Pfullendorf, die Schließung der ehemaligen Papierfabrik Baienfurt oder den Wegzug Kramer Werke von Überlingen in das Industriegebiet in Pfullendorf zeigen, dass sich die Situation schnell ändern kann. „Immer mehr Gemeinden haben nur sehr begrenzt Flächen verfügbar, einige Gemeinden wie Tettnang, Kressbronn oder Langenargen können keine verfügbaren Gewerbeflächen anbieten.“

Hinzu kommt, dass die Ausweisung neuer Flächen immer komplexer aufwändiger werde durch die vorgeschriebenen Prüfungen der Umweltverträglichkeit, der Alternativen oder der Flora-Fauna-Habitat-Verträglichkeit. Und seitens des Landes bestehe die planerische Vorgabe, Flächen zu sparen und langfristig zu einer „Netto-Null zu kommen.

Eine Umfrage bei 87  Städten und Gemeinden der Region ergab, dass gemäß der rechtskräftigen Flächennutzungspläne im ganzen Bodenseekreis noch etwa 20 ha Gewerbefläche verfügbar sind, das heißt kurzfristig Interessenten zur Verfügung gestellt werden könnte, so Franke und betonte dabei den Unterschied von der ausgewiesenen zur verfügbaren Fläche. Ein Unternehmer, der sich zu Investitionen entschlossen habe, wolle die benötigte Fläche kurzfristig und nicht erst in Jahren.

 

Im Bodenseekreis geplant sind 50 ha kurzfristig verfügbare Gewerbefläche, das entspricht im Schnitt nur 3,8 ha pro Gemeinde. Das Konzept, dass jede Gemeinde für sich Vorsorge hinsichtlich Interessenten betreibt, funktioniere nicht mehr, so Franke. Damit sich der bestehende Gewerbebestand weiterentwickeln kann, müssen die Gemeinden gemeinsam nach neuen Lösungen suchen. „Wir brauchen Standorte, die entwicklungsfähig sind, an Verkehrsachsen angebunden sind und mit Infrastrukturen wie Glasfaser ausgestattet sind“.
Ziel der Regionalplan-Fortschreibung ist, erklärte Franke, entwicklungsfähige interkommunale Gewerbegebiete an geeigneten Standorten auszuweisen und deren Verfügbarkeit bauleitplanerisch abzusichern. Wo es „eng“ ist, werde auch über ein Kompensationsflächenmanagement nachgedacht, bei dem der Eingriff und der Ausgleich nicht in derselben Gemeinde, sondern innerhalb eines Naturraums stattfinden könne.

 

Über die Ergebnisse der vorangegangenen Gespräche berichtete die Bermatinger Ortsvorsitzende Carola Uhl. Anlass zu diesen Gesprächskreisen sei die Fortschreibung der Flächennutzungspläne gewesen. Bei einer ersten Diskussionsrunde ging es um das Entstehen und rechtliche Rahmen für Interkommunale Gewerbegebiete. Thorsten Frei, Oberbürgermeister von Donaueschingen, hatte darüber informiert, dass interkommunale Gewerbegebiete bislang aus einer gewissen Not heraus entstanden seien. Sei es, dass eine Gemeinde keine Gewerbeflächen zur Verfügung hatte wie beim IKG Wangen/Amtzell oder keine Ausgleichsflächen wie beim IKG Ludwigshafen/Stockach oder keine finanziellen Mittel zur Erschließung oder auch keine Vermarktungsmöglichkeiten wie beim Gewerbepark Neuhausen ob Eck/Tuttlingen. Der rechtliche Rahmen sei frei verhandelbar, es gebe keine Vorgaben. Bei einem zweiten Treffen in Bermatingen ergab sehr unterschiedliche Ausgangslagen der umliegenden Gemeinden.

Der Wunsch der Zuhörerschaft war, diese Runden auch zukünftig zu aktuellen Themen fortzuführen.







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