23.10.2017 02:55

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Kleines Einmaleins des Waldes
(von Christiane Keutner, Journalistin
erschienen im Südkurier, Ausgabe Markdorf, 18.08.2010)

Bermatingen – Drei Fachmänner hatte sich der CDU-Ortsverband zum Thema Wald und Wild eingeladen: Revierförster Martin Roth, Oskar Müller, Leiter des Hegering Meersburg, und Leo Schellinger als Holzkenner und Jäger. „Wald und Wild gehören zusammen“, führte Karl Volz ein, der seine Erfahrung einer Waldbegehung als Gemeinderat nun mit den Mitgliedern teilen und ihnen die Bedeutung der Hege des Waldes nahebringen wollte.Sehr gute Böden und viele Niederschläge begünstigen das Wachstum der Bäume am Bodenseekreis, so Roth.

Foto: Christiane Keutner
Der Wirtschaftlichkeit ist die Umstellung von Buchen und Eichen auf schnellwüchsigen Nadelwald geschuldet. Ein Prozent der Fläche könne man jährlich abholzen und mit dem Setzen von Jungwald einen allmählichen Übergang einleiten. Eichen und Tannen werden gern vom Wild gefressen, Buchen dagegen verschmäht, was Roth wundert. Deswegen muss der Jungwald gehegt werden. Von Lothar und den Gewitterstürmen profitier(t)en die Rehe. Durch vermehrtes Licht gedieh die Bodenvegetation, damit das Nahrungsangebot und die Tiere konnten sich besser vermehren. „Als es dann nach zwei Jahren nichts mehr gab, gingen sie an die Aufforstung. Plötzlich haben sie Fichte gefressen, obwohl sie nicht so schmeckt und wenig nahrhaft ist“, so Roth. Dieser hat schon frühzeitig auf Mischwald im Verhältnis 50:50 gesetzt. Denn nach den sogenannten Franzosenhieben (Kriegsentschädigung an Frankreich) wurden bis Ende 1950 vornehmlich schnell wachsende Nadelbäume gepflanzt. Dass mit diesen gut Geld zu verdienen ist, zeigt ein Vergleich: Vor elf Jahren wurden umgerechnet 20 Euro fürs Ster bezahlt, heute sind es 50 Euro.
Die Kooperation zwischen Förster und Jäger sei auf der Gemarkung ausgesprochen gut. „Wald geht vor Wild“, so Oskar Müller, der auf Interessenkonflikte hinwies. Jäger und Förster würden sich immer aneinander reiben. „Aber wenn es zu viele Rehe gibt, kommt der Wald nicht hoch“, sagte er und bemüht einen Vergleich: „Förster und Jäger sind wie Don Camillo und Peppone: Es kracht manchmal, aber man braucht sich gegenseitig.“
Man bemühe sich im Dialog zu sein, ergänzte Roth und erläuterte Maßnahmen und Bemühungen, möglichst wenig Schaden anzurichten, wenn man mit Maschinen in den Wald fahre: „20 bis 80 Jahre benötigt ein Waldboden, um wieder locker zu werden.“ Ein anderes Problem sind fremdländische Pflanzen: „Das indische Springkraut ist ein Biest, es verdrängt das einheimische gelbe Springkraut. Man sollte es ausreißen, sobald es blüht.“
Wie man nach einem Wildunfall handeln muss wurde genauso erläutert wie das Verschwinden von Hasen mit dem Ackerbau und der Zunahme von Erdmäusen auf Obstplantagen und damit dem Zuwachs von Füchsen.
Dass der geforderte Abschuss zur Regelung des Waldlebens oft schwierig sei, erzählte Leo Schellinger: „Von morgens fünf bis abends um neu sind Jogger, Spaziergänger und Hundebesitzer im Wald unterwegs.“ Außerdem würden Jäger oft mit Bedrohungen, Beschimpfungen und beschädigten Hochsitzen konfrontiert. Dass es die Freude an der Natur sei, die hinter der Passion eines Jägers stecke, und er sie schütze, sei oft schwer zu vermitteln.

 







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